Super-Akku in Sicht: Schweizer wollen E-Mobilität revolutionieren

Super-Akku-Elektroautos

Das Konzept E-Auto begeistert zunehmend. Nach anfänglichen Startproblemen macht der Elektroantrieb dem Verbrennungsmotor ernsthafte Konkurrenz. Nicht zuletzt die drohenden Dieselfahrverbote bewegen viele Menschen zum Umstieg auf die grüne Technologie. Mit Listenpreisen von gut 60.000 Euro liegen die Dauerbrenner von Tesla & Co. jedoch weit über den Anschaffungskosten für den „Pkw von gestern“. Hinzu kommen die Einschränkungen in puncto Reichweite und Lademöglichkeit. Nun will das Schweizer Unternehmen Innolith mit einer neuen Speichertechnologie die Akkuwelt revolutionieren.

 

David gegen Goliath

 

Derweil hat der Verbrennungsmotor gegenüber dem Elektroantrieb bezüglich Reichweite, Tankgeschwindigkeit (Ladedauer) und Preis die Nase vorn. So birgt ein Liter Benzin beziehungsweise Diesel eine kinetische Energiedichte von rund 11.000 bis 12.000 Wattstunden pro Kilogramm (Wh/kg). Die Energiedichte handelsüblicher Akkus, wie sie auch in E-Autos verbaut sind, fällt mit einem Wert von gut 150 Wh/kg vergleichsweise verschwindend gering aus. Solche Akkus, bestehend aus einer Verbindung zwischen Lithium und Elektrolyten (Lithium-Ionen-Akku), kommen auch in Handys zum Einsatz. Wie rapide diese Kraftzellen ausgesaugt sind, dürfte sowohl Pkw- als auch Nicht-Pkw-Fahrern bewusst sein.

 

Dank des besseren Tank-to-Wheel-Faktors erzielt ein E-Auto dennoch eine solide Reichweite: Der Elektroantrieb kann die mitgeführte Energie effizienter verwerten als der Verbrennungsmotor. Benziner und Diesel stellen ihre Öko-Konkurrenz allerdings nach wie vor in den Schatten. Das Hauptproblem, welches der Entwicklung leistungsfähigerer Akkuzellen im Weg steht, beruht auf der Leitfähigkeit organischer und anorganischer Stoffe: Letztere Gruppe gilt als wesentlich leitfähiger, birgt jedoch die Gefahr, starke Verätzungen bei Kontakt hervorzurufen und ist leicht entflammbar. Bisweilen ruhte die Hoffnung demzufolge auf der Entwicklung von Feststoffbatterien mit organischen Verbindungen. Diese Technik wird (noch) flächendeckend für die Gestaltung von Lithium-Ionen-Akkus verwendet.

 

Aus fest wird flüssig

Der Hersteller Innolith hat ungeachtet aller Nachteile verkündet, eine Kehrtwende einzuläuten und wiederaufladbare Batterien aus flüssigen Komponenten zu entwickeln. Diese sollen dank einer neuen Konklusion der drei Hauptbestandteile so resistent wie Feststoffbatterien sein: Die Zusammenführung von Lithiumchlorid, Aluminiumchlorid und Schwefeldioxid mache den anorganischen Super-Akku alias „Energy Battery“ ebenso sicher wie die Zusammensetzung organischer Komponenten, so Alan Greenshields, Präsident von Innolith. Zudem überzeuge die neue Verbindung durch einen effizienteren Aufbau der Elektroden: In der nun entwickelten Speicherung (Interkalation) kann Energie schneller und flexibler in den Batteriezellen eingelagert werden. In Zahlen ausgedrückt: Der Super-Akku soll eine Energiedichte von bis zu 1.000 Wh/kg aufweisen. Möglich wäre somit die Produktion von E-Autos mit einer Reichweite von 1.000 Kilometern pro Tankladung. Ein Pilotprojekt wollen die Schweizer schon in Kürze auf die Strecke bringen: Die ersten Super-Akkus sollen demnächst in Deutschland entwickelt und getestet werden, bevor Lizenzvergaben und Kooperationssuchen erfolgen.

 

Greifbare Revolution oder Kurzzeit-Hype?

Das Konzept von Innolith klingt vielversprechend. Allerdings: Die Schweizer starten bereits den dritten Versuch, die Akkuwelt zu revolutionieren! Zuvor war Greenshields Vorsitzender von Fortu und Alevo. Beide Start-ups mussten Konkurs anmelden. Dass Innolith Standorte von Alevo übernommen hat und in Alevos ehemaliger Forschungsstätte im badischen Bruchsal seine „Energy Battery“ entwickeln möchte, lässt aufhorchen. So oder so: Die Entwicklung der Megazelle dürfte 3 bis 5 Jahre dauern. Genug Zeit für Konkurrenten wie Aviation, Long Power und Samsung, mit eigenen Super-Akkus an den Start zu gehen.

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